Kurz vor den entscheidenden Zwischenwahlen am Dienstag ist die politische Lage im US-Bundesstaat Michigan durch eine unerwartete strategische Wende angespannt. Die demokratische Abgeordnete Haley Stevens hat ihre Unterstützung öffentlich dem republikanischen Kandidaten Mike Rogers zugesprochen. Dieser Schritt folgt auf die interne Vorwahl, bei der die 43-jährige Stevens dem 42-jährigen progressiven Herausforderer Abdul El-Sayed unterlegen war. Die Entscheidung von Stevens sorgt innerhalb ihrer eigenen Partei für massive Erschütterungen, da das Rennen um den Senatssitz als eines der knappsten der Midterms gilt.
Die Gründe für diesen Bruch liegen in einem tiefen ideologischen und persönlichen Konflikt. Während El-Sayed eine stark Israel-kritische Haltung einnimmt und sich gegen Waffenverkäufe an das Land ausspricht, vertritt Stevens eine eindeutige Pro-Israel-Position. Stevens rechtfertigte ihren Wechsel mit der Behauptung, Abdul El-Sayed habe deutlich gemacht, dass sie in seinem Wahlkampf nicht willkommen sei. Diese Dynamik führte dazu, dass der Minderheitenführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, das Verhalten von Stevens als einen „verachtenswerten Verrat“ bezeichnete.
Von der Gegenseite wurde die Entwicklung schnell instrumentalisiert. US-Präsident Donald Trump lobte den Mut der Abgeordneten Stevens, nachdem er El-Sayed zuvor als „Dschihadisten“ beschimpft hatte. El-Sayed selbst, der als erster Muslim der Geschichte in den US-Senat einziehen könnte, reagierte jedoch gelassen auf die Abkehr seiner Parteikollegin. Vor Journalisten betonte er, dass er nicht an Stevens denke, sondern an die „9,999998 Millionen Menschen“, die weder sie noch Rogers seien.
Für die Demokraten steht viel auf dem Spiel, da sie hoffen, den Republikanern die Mehrheit im Kongress zu entreißen. Während dies im Repräsentantenhaus als sicher gilt, ist die Situation im Senat deutlich instabiler. Der Datenguru Nate Silver schätzt zwar ein, dass die Wende kurz vor der Wahl unwahrscheinlich viele Stimmen beeinflussen wird, da El-Sayed in Umfragen leicht führt und viele Briefwahlstimmen bereits abgegeben wurden. Dennoch bleibt die Sorge, dass der offene Streit wertvolle Stimmen in einem der wichtigsten Rennen der Parlamentswahlen kosten könnte.



